Altenpflegeausbildung

Eine Ausbildung zur Altenpflegerin bzw. zum Altenpfleger kann auf Grundlage des Altenpflegegesetzes nur noch bis zum 31.12.2019 begonnen werden, ab dem 01.01.2020 gilt das Pflegeberufegesetz mit der neuen Pflegeausbildung. Das Altenpflegegesetz tritt zum 31.12.2019 außer Kraft.

Die Ausbildung umfasst theoretischen und praktischen Unterricht in einer Altenpflegeschule sowie die praktische Ausbildung in einem Heim, einer stationären Pflegeeinrichtung oder in einer ambulanten Pflegeeinrichtung (ambulanter Pflegedienst).

Unterricht und praktische Ausbildung wechseln sich meist in mehrwöchigen Blöcken ab, wobei der Anteil an der praktischen Ausbildung überwiegt.

Die Ausbildung in der Altenpflege ist bundesweit einheitlich durch das Altenpflegegesetz geregelt. Danach dauert die Ausbildung drei Jahre.

Sie kann jedoch auch in Teilzeitform durchgeführt werden und in diesem Fall bis zu fünf Jahre dauern. Kenntnisse und Fähigkeiten aus einer anderen abgeschlossenen Ausbildung, insbesondere in der Pflege, können angerechnet werden.

Auf Antrag kann die Dauer der Ausbildung in der Altenpflege verkürzt werden. Bei Krankenschwestern, Krankenpflegern, Kinderkrankenschwestern, Kinderkrankenpflegern sowie Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspflegern mit dreijähriger Ausbildung kann die Ausbildungsdauer um bis zu zwei Jahre verkürzt werden; bei Altenpflegehelferinnen und Altenpflegehelfern, Krankenpflegehelferinnen und Krankenpflegehelfern, Heilerziehungspflegehelferinnen und Heilerziehungspflegehelfern kann eine Verkürzung um bis zu einem Jahr erfolgen.

Zudem kann auf Antrag die Dauer der Ausbildung im Umfang der fachlichen Gleichwertigkeit um bis zu zwei Jahre verkürzt werden, wenn eine andere abgeschlossene Berufsausbildung nachgewiesen wird.

Es gibt außerdem die Möglichkeit, eine Berufsfachausbildung als Altenpflegerin oder Altenpfleger mit einem Hochschulstudium zu kombinieren.
 

Nach dem ersten und dem zweiten Ausbildungsjahr gibt es jeweils ein Jahreszeugnis der Altenpflegeschule über die Unterrichtsleistungen (ermittelt durch Klausuren, Referate und weitere Leistungen). In das Zeugnis fließen ebenfalls die Ergebnisse der praktischen Ausbildung ein. Zum Ausbildungsende werden aus den Noten der einzelnen Lernfelder der Jahreszeugnisse Vornoten ermittelt, die anteilmäßig in die Abschlussprüfung eingerechnet werden.

Die staatliche Abschlussprüfung besteht dann aus schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungsteilen. Die schriftliche Prüfung erfolgt an drei aufeinander folgenden Tagen, jeweils mit einer zweistündigen Klausur aus den verschiedenen Lernfeldern der Altenpflegeausbildung. Der mündliche Teil besteht aus drei zehnminütigen Prüfungen in den unterschiedlichen Themenbereichen. Die praktische Prüfung erfolgt in der Pflegeeinrichtung mit konkreten Fragen der Pflegeplanung und -durchführung.
Bei Nichtbestehen können einzelne Prüfungsteile einmalig wiederholt werden.

Im Abschlusszeugnis werden die Noten für die schriftliche, mündliche und praktische Leistung getrennt ausgewiesen. Nach dem Erhalt des Zeugnisses über die bestandene Prüfung ist bei der zuständigen Behörde die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung "Altenpflegerin" beziehungsweise "Altenpfleger" zu beantragen.
 

Der praxisorientierte Unterricht in den Altenpflegeschulen umfasst mindestens 2.100 Stunden. Unterrichtsziel ist es, die Schülerinnen und Schüler auf berufliche Aufgabenstellungen und mögliche Handlungsabläufe praxisnah vorzubereiten. Dabei gliedert sich der Unterricht in vier große Lernbereiche auf, die wiederum in Lernfelder unterteilt sind:

Lernbereich 1: Aufgaben und Konzepte in der Altenpflege (1.200 Stunden)
Lernfelder:

  • Theoretische Grundlagen in das altenpflegerische Handeln einbeziehen
  • Pflege alter Menschen planen, durchführen, dokumentieren und evaluieren
  • Alte Menschen personen- und situationsbezogen pflegen
  • Anleiten, beraten und Gespräche führen
  • Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken

Lernbereich 2: Unterstützung alter Menschen bei der Lebensgestaltung (300 Stunden)
Lernfelder:

  • Lebenswelten und soziale Netzwerke alter Menschen beim altenpflegerischen Handeln berücksichtigen
  • Alte Menschen bei der Wohnraum- und Wohnumfeldgestaltung unterstützen
  • Alte Menschen bei der Tagesgestaltung und bei selbst organisierten Aktivitäten unterstützen

Lernbereich 3: Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen altenpflegerischer Arbeit (160 Stunden)
Lernfelder:

  • Institutionelle und rechtliche Rahmenbedingungen beim altenpflegerischen Handeln berücksichtigen
  • An qualitätssichernden Maßnahmen in der Altenpflege mitwirken

Lernbereich 4: Altenpflege als Beruf (240 Stunden)
Lernfelder:

  • Berufliches Selbstverständnis entwickeln
  • Lernen lernen
  • Mit Krisen und schwierigen sozialen Situationen umgehen
  • Die eigene Gesundheit erhalten und fördern

Die Schulen entwickeln zu den unterschiedlichen Lernfeldern fächerübergreifende Lernsituationen mit konkretem Bezug zu den Aufgaben des Berufsalltags. Meist geschieht das in Form von Fallbeispielen. Die Erarbeitung des Lernstoffs erfolgt dabei sehr eigenständig. Lehrkräfte begleiten die Schülerinnen und Schüler beratend und unterstützend.

Zur freien Gestaltung des Unterrichts stehen 200 Stunden zur Verfügung.
Die Schülerinnen und Schüler verknüpfen so das Wissen der verschiedenen Fachgebiete und lernen, Probleme individuell zu lösen.
 

Auszubildende haben Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung. Da es in der Altenpflege keinen allgemein verbindlichen Tarifvertrag gibt, kann diese zwischen den einzelnen Trägern der praktischen Ausbildung sehr unterschiedlich ausfallen. Meist staffelt sie sich nach dem Ausbildungsjahr.  Erfolgt die Ausbildung in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes oder Einrichtungen von Ausbildungsträgern, die sich an die Regelungen des öffentlichen Dienstes anlehnen, gelten grundsätzlich folgende Ausbildungsvergütungen (Stand März 2019):
1. Ausbildungsjahr: 1.140.69 EUR
2. Ausbildungsjahr: 1.202.07 EUR
3. Ausbildungsjahr: 1.303.38 EUR
Bei den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden wie Caritas oder Diakonie gelten in der Regel die Arbeitsvertragsrichtlinien der Kirchen (AVR-K). Private Träger haben entweder Haustarifverträge oder handeln ihre Vergütung frei aus.  Unterschreitet die Ausbildungsvergütung die einschlägige tarifliche, branchenübliche oder in den AVR-K festgelegte Vergütung um mehr als 20 Prozent, ist sie nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts nicht mehr angemessen (Urteil des BAG vom 23.8.2011, 3 AZR 575/09, PDF, 52,96 KB). Dann sollte unter Hinweis auf diese Rechtsprechung eine höhere Vergütung verlangt werden.
 

Regelmäßige Fortbildungen sind für Altenpflegerinnen und Altenpfleger notwendig, um in der Berufspraxis auf dem Laufenden zu bleiben. Fortbildungen sind Qualifizierungsmaßnahmen, die zumeist von kurzer Dauer sind und bestimmte Themenfelder behandeln. Fortbildungsthemen sind zum Beispiel Gesundheitsförderung, Personalentwicklung oder die Einführung einer neuen PC-Software. Fortbildungen dienen in erster Linie dazu, im Beruf auf dem Laufenden zu bleiben.

Die Weiterbildung

Weiterbildungen dienen der Spezialisierung, der Erweiterung der beruflichen Aufgabenfelder oder dem beruflichen Aufstieg. Als Spezialisierung kommt zum Beispiel eine Tätigkeit im gerontopsychiatrischen Bereich oder im Hospiz in Betracht. Eine Erweiterung des beruflichen Aufgabenfeldes erfolgt dagegen beispielsweise durch die Qualifizierung zur Praxisanleiterin beziehungsweise zum Praxisanleiter, zur Hygienefachkraft oder zur Beraterin/zum Berater. Da die Dauer von Weiterbildungen in der Regel zwischen mehreren Monaten bis zu zwei oder drei Jahren betragen kann, werden neben den klassischen Seminaren auch neue Lernformen, wie E-Learning und Fernstudiengänge angeboten. Weiterbildungen können gesetzlich geregelt sein und mit einer staatlich anerkannten Prüfung abschließen. Ziel der beruflichen Weiterentwicklung kann schließlich die Leitung eines Heims oder eines ambulanten Dienstes sein.
Hinweis: Weitere Möglichkeiten zur Weiterbildung finden sich in der Datenbank KURSNET unter http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/

Weiterbildungsstipendium - Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (sbb)

Das Weiterbildungsstipendium unterstützt junge Menschen bei der weiteren beruflichen Qualifizierung. Es ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung koordiniert im Auftrag und mit Mitteln des BMBF die bundesweite Durchführung. Um ein Weiterbildungsstipendium kann sich bewerben, wer eine abgeschlossene Ausbildung in einem bundesgesetzlich geregelten Beruf im Gesundheitswesen vorweisen kann. So können sich u. a. Altenpflegerinnen bzw. Altenpfleger oder Gesundheits- und Krankenpflegerinnen bzw. Gesundheits- und Krankenpfleger um eine Förderung einer fachlichen Weiterbildung bewerben. Wer das Auswahlverfahren für das Weiterbildungsstipendium erfolgreich durchläuft, erhält als Stipendiatin bzw. Stipendiat innerhalb des Förderzeitraums Zuschüsse von insgesamt 6.000 Euro für beliebig viele förderfähige Weiterbildungen, wobei ein Eigenanteil von 10 Prozent je Fördermaßnahme von der Stipendiatin bzw. vom Stipendiat zu tragen ist. Die Fördermaßnahmen müssen bei der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung beantragt werden. Förderfähig sind anspruchsvolle – in der Regel berufsbegleitende – Weiterbildungen, wie z. B. zu den Themen Wundmanagement, Dekubitus, Schlaganfall, Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage, Sensorische Integration, Fachweiterbildungen, wie z. B. Anästhesie/Intensiv, OP, Psychiatrie, Seminare zum Erwerb fachübergreifender und sozialer Kompetenzen, wie z. B. Fremdsprachen, EDV, Rhetorik, Mitarbeiterführung, Konfliktmanagement, aber auch unter bestimmten Voraussetzungen berufsbegleitende Studiengänge. Bewerbungen für ein Stipendium sind von Absolventen bundesgesetzlich geregelter Ausbildungen im Gesundheitswesen direkt an die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung zu richten.

Studium in der Pflege

Sofern der Wunsch besteht, eine akademische Ausbildung in der Pflege zu absolvieren, bieten sich hierfür vielfältige Möglichkeiten. Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums ist die Hochschulzugangsberechtigung. Wurde die (Fach-)Hochschulreife nicht über einen entsprechenden Schulabschluss erworben, so kann an einigen Altenpflegeschulen mit dem Berufsabschluss in der Altenpflege auch die Fachhochschulreife erlangt werden. In vielen Bundesländern genügt eine qualifizierte Berufsausbildung, zum Beispiel in der Altenpflege, zusammen mit einigen Jahren Berufserfahrung, um ein Studium aufnehmen zu können. Die Prüfung, ob die berufliche Qualifikation als Voraussetzung für das angestrebte Studium anerkannt wird, obliegt der jeweiligen Hochschule, die diesen Studiengang anbietet. Informationen finden Sie auf  www.hochschulkompass.de.
Derzeit werden an verschiedenen Fachhochschulen und Universitäten über 50 Pflegestudiengänge angeboten. Diese konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Bereiche Leitung und Management sowie auf lehrende Tätigkeiten in der Aus- und Fortbildung. Detailinformationen bietet die Bundesagentur für Arbeit auf  www.studienwahl.de. Neben dem Vollzeitstudium gibt es auch Angebote für ein Teilzeitstudium.
Wer bereits über eine (Fach-)Hochschulzugangsberechtigung verfügt, kann die Altenpflegeausbildung direkt mit einem Studium verknüpfen. Studium und Unterricht finden an der Fachhochschule statt – teilweise in Kooperation mit Altenpflegeschulen –, die praktische Ausbildung in stationären und ambulanten Altenpflegeeinrichtungen. Am Ende dieses Ausbildungsganges stehen sowohl ein Bachelor als Abschluss des Studiums als auch ein Berufsabschluss in der Altenpflege.